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Jury 2010

Die Jury 2010 war ein unabhängiges Gremium von Fachleuten und setzte sich aus ehrenamtlichen Vertretern aus der Praxis, des ÖKL-Baukreises, der Beratung und Forschung zusammen. Sie bestand aus Fachpersonen aus folgenden Bereichen:

 

  • BMLFUW
  • Veterinärmedizinische Universität Wien
  • LFZ Raumberg-Gumpenstein
  • Investitionsförderung
  • Bauberatung der Landwirtschaftskammern
  • Betriebswirtschaftsberatung der Landwirtschaftskammern
  • Milchpraxis (ZAR)

 

Die von der Jury im Rahmen einer Jurysitzung nominierten Projekte wurden vor Ort besichtigt. Im Anschluss fand die Juryentscheidung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

 

Fachpersonen

Jury

  • MR DI Manfred Watzinger, BMLFUW
  • DI Dr. Andreas Weratschnig, LK Vorarlberg
  • DI Josef Wörndl, Amt der Salzburger Landesregierung
  • Univ. Prof. Dr. Josef Troxler, Veterinärmedizinische Univ. Wien
  • Bmst. Ing. Rudolf Schütz, LK NÖ
  • Leopold Pargfrieder, ZAR
  • Dr. Elfriede Ofner-Schröck, LFZ Raumberg-Gumpenstein
  • Mag. Vitus Lenz, LK OÖ
  • Mag. Martin Karoshi, LK Stmk.
  • DI Walter Breininger, LK Stmk.

 

Externe Expertin Arbeitswirtschaft

  • Priv. Doz. Dr. Elisabeth Quendler MSc, BOKU

 

Weitere Mitwirkende

  • DI Gerhard Thomaser, LK Stmk
  • DI Franz Hunger, LK OÖ
  • DI Christian Jochum, Netzwerk Land
  • Ing. Alfred Fischer-Colbrie, Arbeitskreisberatung Milchproduktion, BBK Weiz

 

Abwicklung, Konzept, Redaktion

  • DI Dieter Brandl, ÖKL

 

Gestaltung

  • DI Eva Maria Munduch-Bader, ÖKL

 

Wie es zur Juryentscheidung kam

  • Es wurden alle Einreichungen von der Jury begutachtet.
  • Der Wettbewerb wurde in einem dreistufigen Auswahlverfahren abgewickelt.
  • In der Vorbereitung wurde eine betriebswirtschaftliche, tierschutzrechtliche, baurechtliche und bautechnische Vorprüfung durchgeführt.
  • Für die Bewertung war nicht nur die architektonische Gestaltung ausschlaggebend – es wurden benutzerorientierte Funktionalität, Arbeitswirtschaft, Tiergerechtheit und Wirtschaftlichkeit ausführlich behandelt und gewertet.
  • Für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit wurden folgende Kennzahlen berücksichtigt: die eingesetzte Arbeitskraftstunde am Betrieb, die Gewinnrate, der Verschuldungsgrad und die mittlere Kapitaldienstgrenze.
  • Da es sich um einen bundesweiten Wettbewerb handelte, wurden von Seiten der Jury die regionalen, geographischen und klimatischen Gegebenheiten ohne Vorurteile berücksichtigt.
  • Die eingereichten Projekte zu Stallbauten für die Milchviehhaltung zeigen einen breiten Querschnitt an Lösungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die sich allein aus den betriebsindividuellen Situationen kennzeichnen. Die Stallbauten zeigen einen hohen Grad an planerischer Auseinandersetzung, die sich bei den funktionellen Anforderungen, der Tiergerechtheit bis hin zur Baugestaltung widerspiegelt. Die Kriterien des Kuhkomforts sind als zeitgemäßer Standard in der Rinderhaltung etabliert. Die umgesetzten Baulösungen weisen arbeitswirtschaftlich durchdachte Konzeptionen auf, was auf eine hohe Arbeitsplatzqualität im Stall schließen lässt.
  • Die Einreichungen zeigen in der Baugestaltung sehr differenzierte Lösungsansätze bei der Situierung, dem Landschaftsbezug und der Baukörpergestaltung. Bei der Materialwahl jedoch steht quantitativ der Einsatz von Holz im Vordergrund, was zum einen die regionale Wertschöpfung unterstreicht aber auch eine ökologische und nachhaltige Baugesinnung vermittelt. Obwohl der konstruktive Holzbau dominiert, zeigen die eingereichten Objekte auch einen klugen Einsatz und Umgang mit industriell vorgefertigten Bauelementen.
  • Die prämierten Projekte des ersten österreichweiten landwirtschaftlichen Bauwettbewerbes belegen einen hohen quantitativen aber auch qualitativen Umgang mit einer nachhaltigen und ökologischen Verantwortung. Sie zeigen uns einen gelungen Umgang mit dem jeweiligen Lebens- und Kulturraum und schaffen damit einen positiven Diskussionsbeitrag innerhalb und außerhalb der Landwirtschaft.

 

Anmerkungen und Tipps der Jury

  • Bodenbeschaffenheit: Rutschfeste planbefestigte Böden mit Schrapper werden statt Spaltenböden bei Bewegungsflächen und im Auslauf empfohlen. Unebenheiten und Stufen im Auslauf sollen vermieden werden.
  • Liegebereich: Ein temporärer Sonnenschutz bzw. Windschutz sollte für den Liegebereich nicht fehlen. Tiefstreuflächen in einem Warm- bzw. Lauwarmstall können Probleme bringen (Stallklima, Schadgase und Temperatur).
  • Aufstallung: Fressgitter sollten geneigt sein. Bei den Liegeboxen dürfen sich keine Einrichtungen im Kopfschwungbereich befinden. Bugschwelle und Nackenriegel gehören richtig positioniert.
  • Lüftung und Licht: Der Stall ist so zu situieren, dass die Regeln der jeweiligen Lüftungsprinzipien (z.B. Querlüftung oder Offenfront) gut funktionieren. Dabei sind auch die Wandausführungen zu beachten. Ein ausreichend natürlicher Lichteinfall fördert die Tiergesundheit und hebt die Qualität des Arbeitsplatzes.
  • Fressbereich und Tränken: Für jedes Tier soll ein eigener Fressplatz vorhanden sein; Fressplatzteiler über mehr als zwei Fressplätze werden aufgrund der Verschmutzung nicht empfohlen. Über den Stall verteilt sollen ausreichend Tränken vorhanden sein.
  • Melkbereich: Der Warteplatz sollte möglichst großzügig bemessen sein und sich nicht im Liegebereich befinden. Bei der Verwendung eines Melkstandes im Altbestand ist auf einen ausreichenden Luftwechsel zu achten, da ansonsten durch den hohen Wasserdampfanfall die Schimmelbildung gefördert wird. Ausreichend natürliches Lichtsowie optimiert angeordnete künstliche Belichtung heben die Arbeitsplatzqualität.
  • Kälber und Jungvieh: Wird ein Stall neu errichtet, ist auch eine Adaptierung der Jungviehhaltung zu berücksichtigen. Kälber sollten grundsätzlich vom Milchviehstall räumlich getrennt untergebracht werden. Für Jungvieh und Kälber ist eine Auslaufmöglichkeit vorzusehen.
  • Altbestand: Werden bestehende Stallungen genutzt, sind auch hier Maßnahmen zur Verbesserung des Tierkomforts und des Stallklimas umzusetzen.
  • Reserveplätze: Neben den vorgeschriebenen Abkalbeboxen sollen auch Reserveplätze (Abkalbezentrum, Universalbucht mit Abkalben, Special Needs-Bereich) berücksichtigt werden.
  • Erweiterung: Erweiterungsmöglichkeiten oder Nutzungsänderungen sind bereits in der Planungsphase des aktuellen Bauvorhabens zu berücksichtigten.
  • Konstruktion: Die Umsetzung der Regeln des konstruktiven Holzschutzes kann den Einsatz von chemischen Holzanstrichen im Außenbereich vermeiden. Die Bauwerksqualität ist damit auch unter ästhetischen Gesichtspunkten und hinsichtlich der Lebensdauer gewährleistet.
  • Arbeitswirtschaft: Bei der Futterverteilung, beim Entmisten und Einstreuen soll die Handarbeit möglichst minimiert werden (z.B. durch die Installation einer mobilen Mist- und Einstreuachse). Unterschiedliche Ausbringungsverfahren (z.B. Flüssigmist bei Kühen und Festmist beim Jungvieh) sollen möglichst vermieden werden. Mehrmaliges Umlagern sowie größere Entfernungen zu Futter- bzw. Mistlager sollen vermieden werden.
  • Baumanagement: Unter Berücksichtigung der rechtlichen und technischen Anforderungen ist mit einer umfassenden und professionellen Abklärungsarbeit, beginnend ab der Planungsphase bis zur Umsetzung, eine Optimierung bei den Baukosten anzustreben.
  • Sicherheit: Bauliche Einrichtungen zur Arbeitssicherheit, z.B. Geländer (über 1 m Höhe), rutschsichere Bodenflächen etc., sind gemäß der jeweiligen gesetzlichen Anforderungen umzusetzen und heben darüber hinaus die Arbeitsplatzqualität am Betrieb.

Zitate

>>Stallbau<<

DI Walter Breininger, LK Steiermark

 

  • Der Stall ist Architektur wie jedes Gebäude und gibt Aufschluss über den Stellenwert der Bäuerinnen und Bauern sowie der Tiere in der Gesellschaft.
  • Ein Stall ohne dazugehörige Wiesen, Äcker und Weiden ist undenkbar. Jeder Stall ist mehr als nur ein Gebäude, sondern bildet einen Kreis um sich herum, in dem Land bewirtschaftet und mitgestaltet wird. Unsere Landwirtschaft besteht zum Glück noch aus vielen solchen Kreisen.

 

>>Wirtschaftlichkeit<<

Mag. Martin Karoshi, LK Steiermark

 

  • Der Betrieb soll langfristig Arbeitsplatz und Einkommensmöglichkeit für die Betriebsfamilie bilden bzw. erhalten. Dazu bedarf es einer angemessenen Eigenkapitalbildung.
  • Wenn der Betrieb Wachstums- oder Entwicklungsschritte durch Fremdkapital finanziert, soll er dieses sicher bedienen bzw. ausreichend Eigenkapital für weitere Entwicklungen bilden können.
  • Betriebe sollen auf sich teilweise rasch ändernde Preise mit Stabilität antworten können.

 

>>Tiergerechtheit<<

Univ. Prof. Dr. Josef Troxler, Veterinärmedizinische Univ. Wien

Dr. Elfriede Ofner-Schröck, LFZ Raumberg-Gumpenstein

 

  • Laufställe haben verfahrenstechnische, arbeitswirtschaftliche und ökonomische Vorteile. Ein besonderer Vorteil ist, dass in der Anordnung der Funktionsbereiche eine hohe Flexibilität möglich ist, da die Tiere durch die Laufmöglichkeit in der Lage sind, die einzelnen Stallbereiche selbständig aufzusuchen. Dadurch ist man nicht an starre Grundrisse gebunden.
  • Die Funktionsbereiche im Stall orientieren sich am Verhalten der Tiere und an den verfahrenstechnischen Abläufen. Eine optimale Abstimmung der Funktionsbereiche aufeinander ist wichtig.
  • Die wichtigsten Voraussetzungen für den tiergerechten Stallbau sind die Bodenbeschaffenheit, eine ausreichende Bewegungsmöglichkeit, die Möglichkeit des Sozialkontakts, ein gesundes Stallklima sowie geeignete Tränken und Fütterung.

 

>>Arbeitswirtschaft<<

Dr. Elisabeth Quendler, ILT, Universität für Bodenkultur Wien

 

  • Arbeitswirtschaftliche Ziele sind bereits im Entwurf neuer Baukonzepte und Arbeitsprozesse zu berücksichtigen.
  • Auf ein optimales Raum-Funktionsprogramm mit gut befahr- und begehbaren Arbeitsachsen ist besonders zu achten.
  • Bauliche Fehlentscheidungen sind nur schwer rückgängig zu machen und führen zu einem erhöhten Arbeitsaufwand und zu mehr Arbeitsbelastung sowie zu ungünstigen Arbeitsbedingungen über Jahrzehnte in der Arbeitserledigung.
 
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